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"Esoterische" Biografie
Zieht man gegen Ende seines Lebens Bilanz und lässt die "Leistungen" Revue passieren, dann werden auch mehr oder weniger verborgene Seiten erinnert. Neben dem Standbein der wissenschaftlichen Laufbahn hat sich in den 60er und 70er Jahren eine zweite Stütze durch meine esoterische Biografie ergeben. Schon während der Schulzeit weckte meine Mutter das Interesse am Literatur-Nobelpreisträger Rabindranath Tagore, der in mir eine Sehnsucht nach Indien keimen ließ. Das Interesse an Esoterik, also am "inneren Lebenskreis", an Mystik und Mystizismen, an Geheimgesellschaften und praktischen Umsetzungen, wie Astrologie und Yoga bestimmte ganz wesentlich mein Leben, auch wenn sich das äußerlich nicht zeigte. Meine Kontakte zu Rosenkreuzern oder Freimaurern führten zu keiner Mitgliedschaft. Der Link des zu dieser anderen biografischen Seite führenden Fotos des "Autors" muss 1969 entstanden sein, als Michael Jeannée für die Wiener Zeitung EXPRESS den Artikel "Aus Playboy wurde Mönch" schrieb, eine kleine Sensationsgeschichte, an der weder der Playboy noch der Mönch der Realität entsprach. Schilderte man die Bedeutung einer solchen Lebensphase, ginge die eigentliche (bis heute wirksame) Erfahrung im schöngeistigen Kitsch unter. Deshalb beschränke ich mich hier auf die äußere Chronologie und versuche einige Hinweise auf die Hintergründe zu geben. Seit der Lektüre Tagores, dem Besuch von Yogakursen in München sind mehr als vier Jahrzehnte vergangen, und hin und wieder kommt dieses Erbe noch heute zum Tragen. So erstellte ich noch vor wenigen Jahren ein Horoskop von Marcel Duchamp, das man im Netz lesen kann: http://www.toutfait.com/issues/issue_3/Notes/Zaunschirm/Zaunschirm_en.html 1963 bin ich mit einem PANAM-Flug (ich
glaube er hatte die Nummer 02) nach Indien aufgebrochen. Nach ein paar
Tagen Zwischenstopp in Beirut, wo ich bei einer Hochzeit im legendären
Hotel Phenizia den Prunk eines solchen Festes in der damaligen
Schweiz des Atmananda brachte mir die wichtigsten indischen Umgangsformen bei, beim Essen, Sitzen, Sprechen, die mir noch heute selbstverständlich sind. Als ich im Ashram in Kishenpur ankam, durfte ich - entgegen ihrer Erwartung - dort Quartier nehmen, solange Platz war. Von hier aus unternahm ich Ausflüge nach Mussorie und Rishikesh, dem Ort vieler Ashrams und Rishis (wie der Name sagt). Das berühmteste Ashram war das des damals schon verstorbenen Swami Sivananda, dessen Schüler in den folgenden Jahren in den Westen gingen und einen Indien-Boom auslösten. Maharishi Mahesh wurde dann erst durch die Beatles bekannt. Ich habe damals viele eindrucksvolle Menschen getroffen, wie z.B. einen Einsiedler, dessen Namen ich Jahre später in einer Publikation über Heilige in Indien gefunden habe, erschrocken darüber, dass er wenige Jahre nach meinem Besuch umgebracht worden war.
Die Wochen danach in Kishenpur und Hardwar, in den Ashrams von Anananda Mayee Ma sind für mich so etwas wie ein archimedischer Punkt emotional-spiritueller Orientierung geworden. Die von Atmananda aus dem Bengali ins Deutsche übersetzten Antworten auf meine recht einfachen Fragen klingen immer weiter in mir nach und der Blick in ihre unergründlich tiefen Augen berühren mich nach wie vor. Atmananda erklärte mir, dass sie oft als Projektionsfläche diente, viele in ihr ihre eigene Mutter sahen (s. Abbildungen), und tatsächlich sah ich in ihr Mutter, Großmutter und Geliebte in einem. 1982, 19 Jahre nach diesem Treffen starb sie zufälligerweise gerade in dem kleinen Ashram von Kishenpur, obwohl sie viele andere weitere Anlagen von ihren Verehrern gewidmet bekam. Ich habe sie wie andere Persönlichkeiten trotz weiterer Aufenthalte (zuletzt 1977 in Indien allerdings im Süden und in Sri Lanka), nicht wiedergesehen. Sie sandte mich nach Europa zurück, ich sollte zuerst eine Ausbildung machen. In Delhi erzählte mir die Gandhi-Schülerin Rainha Tiabji noch meine Vergangenheit, einschließlich eines bunt ausgemalten früheren Lebens in Spanien und zwar - das war das Besondere - nicht aus den Handlinien, sondern aus den Füßen. Nach der Rückreise über Moskau und einer Ägypten-Studienreise am Ende des Jahres 1963 mit dem Höhepunkt des Weihnachtsfestes am alten Standort von Abu Simbel, entschloss ich mich, Kunstgeschichte zu studieren.
Nach einigen Semestern in Wien, Salzburg und Florenz nahm ich Kontakt zum Ehepaar Keyserling in Wien auf. Ich bekam damals einen Job im Bundesdenkmalamt, kam mit meinem Studium nicht weiter und war ungeheuer vom "Rad" und seiner vielschichtigen Systematik beeindruckt. Der erste Abend bei Wilhelmine und Arnold Keyserling in der Reisnerstrasse ist mir unvergesslich. Ich hielt die beiden für ein esoterisch interessiertes Aristokratenpaar und tanzte brav in einem Trachtenanzug mit Blumen an. Die ärmlichen Verhältnisse ließen mich dann vor Scham erröten. Wie dem auch sei, der peinliche Auftakt änderte nichts daran, dass ich ihr erster Schüler wurde, an ihrem Wissen partizipierte, die Praxis des I GING genauso erlernte wie die Astrologie. Einerseits wurde mir da ungeheuer viel Wissen zuteil, andererseits blockierte das meine eigene Entwicklung. Was soll man mit sich anfangen, wenn sozusagen alles schon gesagt, geschrieben, erkannt ist? Das Jahr 1967/68 war ein intensives Jahr des Lernens. Mit der Kunstgeschichte war es vorbei. Trotz der neuen Horizonte befand ich mich in einer Sackgasse.
T. Z. (S.J.),
Swami Satyananda, Arnold Keyserling
Nach einem Besuch Swami Satyanandas (*1923) in Wien entschloss ich mich, wieder nach Indien zu gehen. An ihrem Geburtstag, dem 2. Oktober 1968 brachte mich meine, ziemlich darunter leidende Mutter, dass ihr Sohn nach fünf Jahren schon wieder in die Ungewissheit Indiens aufbrach, zur deutsch-österreichischen Grenze am Walserberg bei Salzburg, wo ich in den Europabus nach Istanbul und Teheran einstieg. Auf dem Landweg gelangte ich weiter über Afghanistan (ein bisschen nach dem "Rezept" von Ouspenskis Buch "Auf der Suche nach dem Wunderbaren", das Keyserling ins Deutsche übersetzt hatte) und Pakistan nach Nordindien und besuchte schließlich einen zweimonatigen Kurs in Munger(Monghyr)/ Bihar. Danach entschloss ich mich, vorerst in Indien zu bleiben und wurde nach weiteren Studien eingeweiht. Ich bekam den Namen Swami Jyotirmayananda Saraswati. Es folgte eine intensive Reise- und Lehrtätigkeit durch ganz Indien, ich schrieb erste belanglose Texte und kehrte 1969 nach Österreich zurück.
Wilhelmine Keyserling,
T.Z. (S. J.J)., Swami Satyananda. 1970 in Wien
George
Allen & Unwin Ltd, Ruskin House Nachdem ich den "Österreichischen Yogaverband" gegründet, in Salzburg und München Kurse gegeben hatte, erreichte mich die Einladung, in London eine Schule zu leiten. Lili Kowalska, eine Exilpolin, die als Autorin von Garten- und Kochbüchern unter dem Namen Lilian K. Donat bekannt geworden war, hatte in der 221 Cromwell Road ein großes Flat, das zum Ort meiner Lehrtätigkeit wurde - das Haus ist längst abgerissen. Sie und ihre Tochter Kersti Winterbottom hatten mich in Nordindien auf einem Kongress im Herbst 1968 kennengelernt. Lili übersetzte ein 1970 im Verlag der Palme (dem Verlag der Keyserlings) erschienenes Meditationsbuch (Abb. oben links), das dann erst später (auch in den USA) herauskam (Abb. rechts oben und unten).
Ein neuer Kontakt mit Wilhelmine und
Arnold (Abb. links) Keyserling ist leider nie mehr zustande gekommen.
Nach 1971 gab ich Kurse in Südspanien mit Schülern vor allem aus England und Deutschland. Da das Guru-Prinzip, in diesem Alter (ich war gerade 27 Jahre alt) "Meister" von Anhängern zu sein, mir nicht angemessen erschien, beendete ich dieses Kapitel und brach nach Südamerika auf, in der vagen Hoffnung dort einen neuen Schlüssel für meinen ins Schlingern geratenden Kurs zu bekommen. Außerhalb des indischen Netzwerkes bemerkte ich, dass eine Art Energie- oder Bewußtseinsfeld fehlte, in dem man sich bewegt und wirkt. Ohne dieses Netz oder Feld ist man auf sich gestellt und kann niemanden mit allen möglichen, an anderen Orten wirksamen Techniken beeinflussen. Diese Erfahrung war mindestens so wichtig, wie die Überraschung, was man alles an "Siddhis" aufbauen kann und wie diese oft beschworenen "Kräfte" einzusetzen sind.
Nachtrag (31. Dezember 2007): Seit meiner Pensionierung 2007 beschäftige ich mich mit den verschiedenen Lebensphasen, hier ein Maturatreffen in Salzburg, dort Begegnungen mit Menschen, die man Jahrzehnte nicht gesehen hat. Da ich keine Fotos meiner Indienaufenthalte von 1963, 1968 usw. mehr habe, kontaktierte ich den einzigen mir noch bekannten Kursteilnehmer im Ashram und bat ihn um das im Stile des 19. Jahrhunderts aufgenommene Gruppenfoto am Ende des Yoga-Kurses. Swami Janakananda, nach wie vor Yoga-Meister in Skandinavien, antwortete mir überrascht, weil man ihm Mitte der 1970er Jahre mitgeteilt hatte, ich wäre bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Er hat mir eine Aufnahme aus 1969 geschickt, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Er selbst mit Brille ist vorne zu sehen, ich hinten links halb verdeckt. Was aus den Anderen geworden ist, kann ich nicht sagen. Wer überhaupt noch und unter welchen Umständen lebt, weiß ich nicht. Es war eine außerordentliche Mischung von Menschen, die hier zusammenkamen und alle auf ihre Art ihrem Leben eine völlig neue Wendung gaben.
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